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Bild: Stefan Heinze

Neuer Studiengang „Theologie geschlechterbewusst“

Nachricht 09. Juni 2021

Erkenntnisse der feministischen Theologie jetzt als Angebot für Männer und Frauen

„Die feministische Theologie ist mittlerweile im Mainstream angekommen“, sagt Susanne Paul, Landespastorin für die Frauenarbeit. „Auch für Männer ist sie zunehmend ein wichtiges Thema geworden.“ Gemeinsam mit Männerpastor Henning Busse bietet Paul Interessierten deshalb jetzt einen neuen einjährigen Fernstudiengang unter dem Titel „Theologie geschlechterbewusst“ an. Er wurde vom Evangelischen Zentrum Frauen und Männer der EKD entwickelt und beginnt im September dieses Jahres.

„Das langjährig angebotene Fernstudium ‚Feministische Theologie‘ stand Pate bei der Konzeption des neuen Studiengangs“, sagt Paul. Viele Inhalte seien daraus übernommen worden. Neu sei allerdings, dass sich das Fernstudium auch an Männer wende, ebenso bestehe das Lehrteam auch aus Männern und Frauen. „Wir folgen damit einer aktuellen Entwicklung“, sagt die Landespastorin. „Den Initiatorinnen der „Feministischen Theologie“ war es noch wichtig, Frauen geschützte Räume zum Studieren, für Diskussion und Austausch zur Verfügung zu stellen. Inzwischen wollen sich Frauen und Männer gemeinsam über die Auswirkungen geschlechtsspezifischer Prägungen austauschen.“

Sensibel gegenüber männlicher Theologie werden

Männerpastor Henning Busse begrüßt, dass sich der neue Studiengang jetzt auch an Männer wendet. „Theologie ist traditionell von Männern formuliert, jedoch nie bewusst als männliche Theologie reflektiert worden“, sagt Busse. „Eine allgemeingültige Theologie klammert jedoch den großen Einfluss des Geschlechts auf die Erkenntnisse und das Handeln Theologietreibender aus.“ Der Dialog zwischen Männern und Frauen in dem neuen Studium könne Männer im Umgang mit biblischen Texten sensibilisieren und beiden Geschlechtern helfen, sich stärker ihrer eigenen Identität bewusst zu werden, hofft der Männerpastor.         

Detlev Wegner freut sich, dass er jetzt an dem Studiengang teilnehmen kann. Seine Frau Petra Wegner hatte vor einigen Jahren das Studium „Feministische Theologie“ durchlaufen und Wegner empfand „den frischen Wind dieser neuen Ideen wie die Aufbruchsstimmung beim Kirchentag“. Patriarchale Strukturen seien in der Gesellschaft und in der Kirche immer noch vorhanden, auch die eigene „Konditionierung“ gelte es aufzubrechen, sagt der Ronnenberger. Er findet es für Männer bereichernd, den Blickwinkel zu öffnen. „Es gibt noch so viel zu entdecken, was durch das Patriarchat verschüttet wurde“. Und Aufklärung sei wichtig: Dass unter den Jüngern Jesu auch Frauen gewesen seien beispielsweise. „Das ist lange unter den Teppich gekehrt worden“, sagt der 60-Jährige, der viele Jahre Ehrenämter in der Kirche bekleidet hat. Das Fernstudium „Theologie geschlechterbewusst“ belegt er hauptsächlich aus persönlichem Interesse, will jedoch nicht ausschließen, dass er sein Wissen später auch innerhalb der Kirche weitergeben würde.

Gott auch als „Schöpferin Liebe“ ansprechen

Ingrid Philipp, die den Studiengang „Feministische Theologie“ bereits vor zehn Jahren durchlaufen hat, fühlt sich dadurch persönlich und in ihrer langjährigen ehrenamtlichen Frauenarbeit bereichert. „Für mich war das eine Befreiungstheologie“, blickt sie zurück. „Die traditionelle Theologie war mir oft zu eng und dogmatisch.“ So fühlt sie sich jetzt ermutigt, „Gott nicht mehr männlich zu denken, sondern sie auch mit Schöpferin Liebe anzusprechen“. Wichtig war, dass das Studium „mit meiner Geschichte zu tun hatte und mich als Mensch und als Frau berührt hat“, sagt Philipp. „Dadurch wurde es nachhaltig und wirkt bis heute fort.“  

Das Fernstudium „Theologie geschlechterbewusst“ besteht aus sieben Themenbereichen wie „Aufbrüche, Kontexte, Grundlagen“, „Gott“, „Christus Jesus“, „Bibel“, „Spiritualität“ oder „Ethik“. Sie werden in Studienbriefen, Tutorien und Studientagungen bearbeitet. Die Teilnehmenden bilden zudem studienbegleitende Kleingruppen, die einen intensiven Austausch digital oder in Präsenz ermöglichen. Die Studientagungen sind als Präsenzveranstaltungen jeweils freitags und samstags geplant. Neben einer Studienleitung vermitteln sieben Dozentinnen und Dozenten die Inhalte. Darunter sind beispielsweise die bekannte Theologin Christina Brudereck, der Berner Theologieprofessor Peter-Ben Smit oder Professorin Ursula Rudnick aus Hannover.

Sabine Dörfel/Haus kirchlicher Dienste

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